April 21, 2018

Politischer Ekel und die Erklärung2018

Ich ertrage es nicht mehr. Texte liegen herum, Videodateien sind gespeichert, alles Politik- und Gesellschaftsthemen betreffend, die mich interessieren sollten, ja die es immer taten. Kaum macht ein Politiker oder einer dieser komischen von Sendungsbewusstsein durchdrungen Journalisten, den Mund auf, da überkommt mich ein schwer zu definierendes Unwohlsein. Irgendwas ausspucken möchte ich, komme mir vor, als hätte ich eine verdorbene Frucht gebissen.

Dann versuche ich mich zu ermahnen, es sind ja alles nur Meinungen, Darstellungen einer anderen Weltsicht, der man doch argumentativ entgegentreten kann. Außerdem ist es ja auch interessant zu erfahren, wie denn andere ticken. Wie es in ihnen denkt, fühlt und gärt. Es nützt nichts, der widerliche Geschmack im Mund bleibt, er lässt sich nicht mehr neutralisieren. Also raus damit und Mund ausspülen.

April 19, 2018

Speisung der Millionen – oder das BIO-Wunder

Ein Wunder ist geschehen, die Speisung der 5000 mit fünf Laib Brot und zwei Fischen ist geradezu mickrig dagegen: BIO schafft vergleichbares mit Millionen von Verbrauchern. „Der Umsatz an Bio-Lebensmitteln in Deutschland hat sich seit 2000 verfünffacht – von 2,1 auf rund 10 Milliarden Euro im Jahr 2017“, ist bei Civey zu lesen.

OK, aber wie viel ist das? Statista meldet, dass die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland für Nahrungsmittel im Jahr 2017 rund 154 Mrd. € betragen hätte. Ob auch bei den BIO-Lebensmitteln nur der private Verbrauch gerechnet wurde, ist nicht beschrieben, aber auch nicht relevant für die nun folgenden Zahlen.

April 15, 2018

Deutsche Fragen

Nun haben wir das Dilemma: wohin gehört Deutschland? Die Westbindung, in der sich die Bundesrepublik in der Nachkriegszeit eingerichtet hatte und die mit der Eigenzuordnung zu den Projekten EU und NATO eine Selbstbeschreibung überflüssig gemacht hatte, wird nun hinterfragt. Die Risse gehen durch alle möglichen politischen Parteien. Ein bisschen haben diejenigen, die sich in der alten Bundesrepublik eingerichtet hatten, noch die Hoffnung, das Projekt europäische Einigung könnte sie von der Notwendigkeit befreien, nun endlich einmal eine Selbstbeschreibung vorzunehmen.

Was ist Deutschland, was ist ein Deutscher, eine Deutsche? Offene Münder hinterlässt diese Frage, vor Ratlosigkeit nach Luft schnappend und in Erklärungen aus Schulbüchern suchend, was für den Beobachter eigentlich Antwort genug ist.

April 12, 2018

Farben, eine Homepage, Digitalisierung und das Gewissen der Zeit

Kürzlich machte ich mich auf, meine Homepage neu zu gestalten. Mit ein paar Klicks, so etwa der Anbieter des Hompage-Baukastens, ist diese im Handumdrehen fertig. Design aussuchen, Texte und Fotos einfügen, das wars. Pustekuchen! Bei mir hat dieses Handumdrehen etwa zwei Wochen gedauert. Wobei, genau genommen, das was heute da zu sehen ist, war tatsächlich recht schnell gebaut, aber was davor geschah: oh je!

Der Ärger begann mit den Farben, die verwendeten sollten harmonieren und insgesamt zum Thema passen. Also erst mal ein Konzept im Kopf erstellen. Dafür hilfreich war ein Farbtonfächer, so einer mit dem der Maler seinen Kunden bei der Raumgestaltung hilft. Ich hatte noch einen rumliegen, also zog ich dieses Hilfsmittel als Unterstützung für meine Inspiration her. Die Kinder und meine Frau gaben ebenfalls ihre Kommentare ab, welche Farbkombinationen denn harmonieren und welche nicht. Gut, bis dahin hat es noch Spaß gemacht. Wenn der Maler seine Musterkataloge von Tapeten oder Bodenbelägen dem Kunden präsentiert, dann ist das auch noch schön. Ihr ahnt es sicher, was nun kommt.

April 02, 2018

Schnipsel 2018 – Erste Sammlung

„Dunkler Teint!” Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen, wie die politisch korrekte Sprache Einzug in Personenbeschreibungen hält.


Jerusalem, die Krim, Danzig, Elsass, Sizilien - ach Gott, wohl kein kein Ort auf dieser Erde, an den nicht die verschiedensten historischen Ansprüche gestellt könnten. Irgendjemand wird sich immer benachteiligt fühlen. Wer aber das Ergebnis von geschichtlichen Veränderungen nicht akzeptiert, ist dazu verdammt, vergangene Kriege noch mal zu führen. Gerechtigkeit ist aus der Geschichte selten erwachsen und ist auch nicht herstellbar, wenn historische Veränderungen wieder rückgängig gemacht werden.


Das Problem der »Weltretter« ist, dass sie ein Kollektiv, eine Gemeinschaft benötigen.

April 01, 2018

Der Mitläufer – Wie das Buch entstand

Mein Freund Hermann ist schuld, weil der sich über den König Ubu krumm lachte. Nein, ich will keine falsche Erwartungen wecken, dieses Büchlein von mir hat absolut keine Ähnlichkeit mit den Werken des Bürgerschrecks Alfred Jarry, nicht mal ansatzweise. Aber es ist die Art zu fühlen, vielleicht auch zu denken, sich die Menschen so in ihrer Umwelt vorzustellen, wie sie eigentlich sind – der Wahrheit also über Imagenationen näher zu kommen – die mich faszinierte. Schon der von mir herzlich verachtete Denker Adorno sprach von einer anderen Eigentlichkeit von Dingen und nicht nur er, also darf ich das auch.

Eigentlich ist der Mitläufer, ab Seite 15 beschrieben, kein Läufer, er hat gar keine Beine und demzufolge auch keinen Standpunkt. Er wird von der Masse gezogen, müsste also eher Mitgezogener heißen. Ja so ist das mit der Eigentlichkeit, manchmal sind schon die Worte, die etwas beschreiben, bereits das Problem, etwas wird vorgetäuscht.

März 29, 2018

Nachdenkskizzen, launisch Gekritzeltes auch

Im Zeitalter der sozialen Medien – Kurznachrichten und Minitexte schwirren in wahrscheinlich astronomisch großen Mengen durchs Netz – sammelt sich auch bei mir so einiges an, das, wenn man es eben nicht gleich löscht, doch später wieder von Interesse sein kann. Es ist geradezu so, als wären Stammtischgespräche aufgezeichnet wurden, deren Bandbreite auch als von tiefgründig bis pöbelhaft durchaus bekannt ist. Die meisten dieser Kurznachrichten, ich schrieb sie mir in einer Textdatei, werden dann doch irgendwann gelöscht. Einige von denen allerdings, fand ich, mit etwas zeitlichen Abstand, zu schade zum Wegwerfen. Und so entstand daraus eine Serie auf Glitzerwasser, die ich »Schnipsel« nannte.

März 04, 2018

Moscht gegen Essig

Heute ist ein Tag der vielfältigen Entscheidungen. Die erste ist schon gefallen, in ihrem Mitgliedervotum meinte die Mehrzahl der SPDler noch mal eine GroKo mit der Merkel machen zu können. Ob ich es so erwartet habe, ist egal, von der SPD erwarte ich mir grundsätzlich nichts. Auch fällt es mir schwer, sonst durchaus zur Empathie fähig, mich in die Köpfe der Sozis hineinzudenken. Ich werfe der SPD nicht vor, dass sie einen Haufen Unsinn verzapft und politisch umzusetzen versucht. Aber dass sie sich vier weitere Jahre mit Merkel ins Bett legt, damit diese Person an der Macht hält, das verzeihe ich den Sozis nicht.

Februar 22, 2018

Die Trauernden und die Mörder

Wer Trauer nicht ernst nimmt, den Trauernden unterstellt, sie wären nur Nostalgiker, die von Vergangenem nicht lassen können, wird erleben, wie aus Trauer Wut wird. Die Trauernden wissen auch, Tote können nicht wieder erweckt werden, doch die, die getötet haben, wird die Wut treffen, wenn die Trauer vorbei ist.

Aus rein taktischen Gründen wäre es für die Mörder der alten Bundesrepublik daher angebracht, nicht über diejenigen zu lachen, die ihr nachtrauern. Sie sollten deren Trauer ernst nehmen und nicht hämisch grinsen. Sie sollten erklären oder verständlich machen, warum sie die alte Bundesrepublik töten mussten, vielleicht werden es die Trauernden verstehen und den Mördern nicht böse sein.

Februar 18, 2018

Der Handwerker und die politischen Kobolde

Ein Werkstück liegt auf der Werkbank, ein Stück Holz. Der Schreiner betrachtet es, Meister Eder wird er genannt, weil er so aussieht wie der Gustl Bayrhammer und eben Schreiner ist, wie diese Fernsehfigur und Freund des Pumuckls. Er hat kein Problem mit seinem Spitznamen, eigentlich fühlt er sich ein bisschen geschmeichelt, war doch im TV der Meister Eder, im Buch natürlich auch, durch seine Komplizenschaft mit dem Kobold allen anderen immer ein Stückchen voraus. Zumindest wusste er, warum all die sonderbaren Dinge geschahen, die sich die anderen nicht erklären konnten.

Februar 09, 2018

Danke ihr Genossen, für das Beispiel Schulz

Martin Schulz weg von der Bildfläche, wenn das mal keine gute Nachricht ist! Und wem oder was haben wir dieses zu verdanken? Der SPD selbst natürlich, ohne den drohenden Mitgliederentscheid über den mit der Union ausgehandelten Koalitionsvertrag, hätte es diesen Rückzug nicht gegeben. Sagt er ja freimütig selbst, der Schulz.

Keine Angst, ich werde nun kein Loblied auf innerparteiliche demokratische Strukturen in der SPD anstimmen, der Sozi-Kosmos war mir immer zu fremd und zu oberflächlich als dass ich da jemals einen Bezug hätte entwickeln können. Dennoch verdient der ursächliche Grund für Schulz’ Rücktritt, der Mitgliederentscheid eben, eine generelle Betrachtung. Plebiszitäre Elemente sind in der Politik so was wie ein Korrektiv, innerparteiliche Seilschaften werden dadurch, wie das Beispiel Schulz zeigt, in ihrer Wirkmächtigkeit eingeschränkt.

Februar 05, 2018

Ein paar Worte an die Trauernden

Ein Trauerzug zieht vorüber, ich halte Abstand, will nicht aufdringlich erscheinen, auch nicht Trauer heucheln, obwohl ich die Tote kannte. Doch ich respektiere die Gefühle der Angehörigen und Freunde der Verstorbenen, also halte ich mich fern und rufe nicht, obwohl es mir auf der Zunge liegt: „Um die ist es nicht schade“!

Nur um eines bitte ich euch: „Plärrt mir nicht eure Trauerreden in die Ohren, dreht die Lautsprecher runter!“ OK, ich kannte die Tote nicht als sie noch jung war. Wohl die wenigsten der heute hier jammernden und klagenden Anwesenden taten das. Ihr stand nämlich der Tod bereits Jahrzehnte ins Gesicht geschrieben, ihr habt es nur nicht gesehen. Mit viel Schminke gelang es ihr zwar kurzzeitig vital auszusehen, ein paar Jahre trug sie hauptsächlich Gelb auf, danach Augenlider und Lippen nur noch grün verkleistert, wer aber genau hinschaute, merkte schnell, es passt nicht mehr zusammen. Sie meinte, davon wird sie wieder jung, dabei konnte sie keinen Trend mehr setzen, sondern kopierte nur noch das, was gerade Modetrend schien.

Februar 03, 2018

Die Konferenz der Münzen

Münzen tragen ihr Wappen mit Stolz, früher waren oft Feldherren oder gar Könige eingeprägt. Ja ihre Prägung ist es, was ihren Wert im Alltag ausmacht, ihren Gebrauchswert anzeigt. Aus was sie besteht, aus welchem Material ihr Körper, ihre Eigenschaften und ihr Charakter sind, darüber machen sich die wenigsten, welche die Münze benutzten, wirklich Gedanken. Früher schon, da schien ihr Charakter wichtiger als ihre Prägung. Manchmal wurden nämlich, wenn der alte König gestürzt oder umgebracht war, Münzen einfach umgeprägt. Substanz zählte mehr als Oberfläche; war es Gold, war es Silber, unbedingt rein sollte es sein. Wurde daran manipuliert, wurde das Metall verfälscht, aus dem der Rohling gegossen wurde, dann nützte die schönste Prägung nichts mehr, kein wichtiger Kopf, kein Kaiser oder König konnte die Münze aufwerten, sie war wertlos geworden.

Januar 14, 2018

Der Wesentliche

Der Wesentliche hat sich viel angelesen, nicht systematisch, sondern partiell so wie es ihm vor die Nase gekommen ist. Die Auswahl seiner Lektüre wurde wie mit einer Fernbedienung vorgenommen, etwa so wie der unentschlossene TV-Seher durch die Kanäle zappt, dabei bequem auf dem Sofa sitzen bleibt, so wählt der Wesentliche aus den Schlagzeilen, die sich ihm aufdrängen, diejenigen aus, die ihm gerade am meisten ansprechen. Er hat sie alle gelesen, die Schlagzeilen, er weiß was auf allen Kanälen läuft. Das meiste davon hat er früher schon mal vernommen, Schlagzeilen wiederholen sich oft. Je öfter er sie liest, um so sicherer ist er sich zu wissen, was die Nachricht ist. Es ist die Kunst der Schlagzeilenmacher, einerseits bereits im Titel die Aussage kund zu tun, andererseits anzudeuten, dass im Text noch Wissenswertes verborgen sein könnte.

Januar 11, 2018

Der Hormesis-Effekt, oder länger leben dank Radioaktivität

«Studien haben gezeigt, dass tiefe Strahlungsdosen die Lebensspannen von Tieren und Menschen verlängern.» Mit dieser klaren Aussage zweier renommierter Fachleute provoziert die Basler Zeitung heute in einen Artikel über die Wirkung von radioaktiver Strahlung. Nun, so richtig neu ist das nicht, für diejenigen die sich dafür interessieren, doch für Fakten interessiert sich hierzulande kaum einer, schon gar nicht wenn es um Radioaktivität geht. Dabei gibt es belastbare Hinweise über den Hormesis-Effekt auch bei Radioaktivität. Zitat aus dem Artikel der Basler Zeitung:

„Ein unerwartetes Ergebnis zeigte auch eine Untersuchung in Taiwan, wo ab 1982 etwa 10'000 Menschen einer stark erhöhten Strahlung ausgesetzt waren. Der Grund war, dass Stahl, der im Hausbau eingesetzt wurde, wegen eines Industrieunfalls durch strahlendes Cobalt-60 versetzt war. Die Strahlung, die die Betroffenen in ihren Wohnungen während Jahren abgekommen haben, war im Schnitt etwa so stark wie diejenige, die anfänglich in der Sperrzone um das AKW Fukushima herrschte. Die Auswertung zeigte aber, dass die Betroffenen signifikant seltener an Krebs litten als die übrige Bevölkerung Taiwans. Zudem gab es weniger Fälle angeborener Missbildungen.