Juni 27, 2017

In eigener Sache: Twitter ade!

Ich vertraue Twitter nicht mehr, es ist nicht mehr die Plattform auf der ich mich ohne Selbstzensur äußern kann. Freilich könnte ich es darauf anlegen, um von dort eine Sperre zu bekommen. Dann aber hätte ich das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Nein, ich will nicht weiter eine Plattform durch meine Mitgliedschaft unterstützen, die sich, wie Facebook auch, nicht gegen das um sich greifenden Diktat zur politisch korrekten Rede wehrt, und mich dann, sollte ich mich dem Diktat nicht beugen, nach einer obligatorischen Sperre, wieder gönnerhaft mit machen lässt. So was verbietet mir die Selbstachtung.

Juni 09, 2017

Die Terrorismusversicherung

Wenn es nun heute als ganz normale Gefahr eingestuft wird, ein Opfer des muslimischen Terrorismus zu werden, dann fehlt bloß noch eine Versicherung dagegen. Gut begründen ließe sie sich alle mal. Soll ich mal ein paar obskure Versicherungen aufzählen? Ich verkneife es mir.

Nein, dieser Vorschlag ist kein Sarkasmus. Ich stelle mir gerade vor, wie ein Versicherungsvertreter argumentieren würde, um seinen geschätzten Kunden eine solche Police aufzuschwatzen. Warum nicht mit der Angst Kasse machen, bei anderen Ängsten klappt das doch auch ausgezeichnet.

Juni 08, 2017

Der Feigling

Zur Taufe bekam der Feigling seine Scheuklappen, es ist das traditionelle Geschenk der Feiglinge an diesem Tag. Dann wurden Lieder gesungen, immer mit den Begriffen Weg, Ziel, Kraft, Stärke und Mut im Text. Ja, die Feiglinge sind mutig und tapfer, sie gehen unbeirrt ihren Weg, lassen sich auch vor scheinbar unüberwindlichen Hindernissen nicht vom Weg abbringen. Davon handeln alle ihre Lieder und Geschichten. Die Scheuklappen helfen ihnen dabei, diesen ihren Weg nicht aus den Augen zu verlieren.

Mai 31, 2017

Schnipsel im Mai'17

Wie stehts um die Fundamente? Was sind meine Fundamente? Ich weiß es nicht! Die Fragen sind berechtigt, überhaupt. Darüber wird gestritten, auf welchen Fundamenten unsere Gesellschaft überhaupt aufgebaut ist. Doch es ist offensichtlich, das Haus steht, auf welchen Fundamenten auch immer. Kann man die austauschen ohne die Stabilität des Hauses zu gefährden?

Was die einen als Geborgenheit in der Identität empfenden, ist für andere eine Vereinnahmung.

Honoré Gabriel de Mirabeau aktualisiert: „Andere Staaten halten sich eine Verwaltung, in Deutschland hält sich die Verwaltung einen Staat.“ Er schrieb von Preußen und dem Militär, egal.

Mai 30, 2017

Merkel, die Lauerjägerin

So, so, die Antwort auf Trump ist also mehr Europa, meint Angela Merkel. Die Taktik könnte aufgehen. Natürlich nur in Hinblick auf die Bundestagswahlen in ein paar Monaten. Hauptsächlich darum geht es ihr. Die Propaganda dafür läuft bereits auf allen Kanälen. Diese besteht hauptsächlich aus Trump-Bashing und Vorschläge, wie das europäische Haus verbessert werden könnte. Dass die EU nun nicht das leuchtende Vorzeigeobjekt ist, mit dem man Wahlen gewinnen könnte, dass ist den Taktikern bewusst, also werden die angestrebten Verbesserungen in den Fokus gestellt, wie Konstruktionsmängel behoben werden könnten und welche Chancen sich daraus ergeben. Es wird die Illusion aufgebaut, dies wäre die Antwort auf die drängenden Probleme. Hauptsache, ein positives Bild entsteht welches sich nicht an der Realität messen muss, da es in der Zukunft liegt. Im Oktober, wenn die Blätter zu fallen beginnen, wird man weiter sehen.

Mai 28, 2017

Der Empörer

Seine Eltern waren Puppenspieler, besser Marionettenkünstler. Gleich neben einer kleinen Bühne wuchs er er auf, diese nannte sich Theater am Faden und befand sich in einem unscheinbaren Klinkerbau im zweiten Hinterhof. Früher war es wohl mal die Werkstätte eines Handwerkers. Mutter und Vater wurden durch das Leben an diesen Platz gespült, ihre Herkunft lag irgendwo im Osten oder Süden, der Puppenspieler glaubt, dass sie Zigeuner sind, dies aber vor ihm verschleiern. Wie immer, nie hörte er eine klare und eindeutige Aussage von ihnen, nicht mal eine Urzeit nannten sie ihm, bei der Ermahnung am Abend nicht zu spät nach Hause zu kommen. Es schien, als lebte jeder der Drei, der Empörer war ein Einzelkind, in einer jeweils eigenen Welt. Die der Eltern war eine des Ungefähren, sowohl als auch, vielleicht, obwohl, könnte, so und dergleichen relativierten sie jede ihrer Aussagen.

Mai 26, 2017

Die Große

Vor Fotos mit ihren Klassenkamaraden hatte sie immer Angst, sie schämte sich ihrer Größe. Mindestens einen Kopf größer als ihre Freundinnen war sie, dabei war sie die Jüngste in der Klasse. Hohe Absätze waren tabu, ebenso Frisuren die sie noch größer hätten erscheinen lassen.

Freundinnen hatte sie auch keine, obwohl sie gerne welche gehabt hätte. Vielleicht lag es an der Haltung der Großen, immer wollte sie ja etwas kleiner erscheinen als sie war, und ging deshalb etwas gebückt, mit krummen, nie mit geradem Rücken. Die anderen Mädchen empfanden dies als peinlich, und fühlten sich unwohl in ihrer Gegenwart.

Mai 22, 2017

Kulturelles Exerzieren

Meine einzige persönliche Erfahrung mit Militär war in der Schule und in der Lehre in der DDR. Vormilitärische Ausbildung nannte es sich, eine sogenannte Gesellschaft für Sport und Technik (GST) stand federführend dahinter. Gerade eben las ich in Wikipedia, dass dieser Wehrunterricht erst 1978/79 als Pflichtfach eingeführt wurde, nur gab es ihn schon früher und für uns als Jugendliche war er selbstverständlich Pflicht. Nun gut, was Gesetz war und was nicht, das wusste in DDR sowie keiner so ganz genau. Eigentlich, meine Lehre beendete ich 78, hätte ich, wenn es stimmen würde was in Wikipedia steht, somit gar nicht vom vormilitärischen Dienst betroffen sein können. Das war ich aber.

Mai 18, 2017

Betrifft: Netzdurchsetzungsgesetz

Der Wortlaut der Email an die drei Abgeordneten meines Wahlkreises:

Sehr geehrter Herr ......,

Nun ist es also soweit, das Netzdurchsetzungsgesetz wird im Bundestag behandelt. Mich beunruhigt dieses Gesetz, gerade als ehemaliger Regimegegner in der DDR weiß ich wie wichtig eine freie Diskussion und freie Meinungsäußerung ist. Ich habe es erlebt, wie Menschen sich in ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit selbst verleugnet haben, nur weil sie vermuteten, meist zurecht, dass diese Äußerungen gegen sie verwendet werden.

Ich rede nicht die Rede der Unflätigen, mir gehen die auch auf den Wecker, nur wenn deren Äußerungen gegen bestehende Gesetze verstoßen, dann ist das auch heute schon strafbar. Das genügt völlig. Verbesserungen und Anpassungen mögen hier und da nötig sein, doch ein neues Gesetz welches schon jetzt den Geruch der Meinungsäußerungsverhinderung hat, ich möchte fast sagen, den Gestank der Zensur in sich trägt, ist keinesfalls notwendig.

Ich erwarte von Ihnen, dass Sie, als Abgeordneter meines Wahlkreises, diesen Schandfleck gegen den Pluralismus verhindern helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Mai 11, 2017

Warum Leitkultur?

Außerdem versuchten sie zu sprechen, zu diskutieren, was es denn nun eigentlich heißt: „Deutsch sein.“ Es wurde mehr ein Stammeln, in dieser Phönix-Runde. Keiner, auch Roland Tichy nicht, hatte eine Antwort. Hier und da wurde ein Aspekt beleuchtet, Bildausschnitte ergaben sich, die wie Puzzleteile wirkten, doch kein Gesamtbild erahnen ließen. Es lag nicht an den Diskutanten, sie gaben sich Mühe, freilich ein jeder mit seinem Wunschbild im Kopf. Es lag an der Unmöglichkeit diese Frage zu beantworten. Zumindest in einer für jeden gültigen Beschreibung.

Eingereiht wird diese Sendung in die gegenwärtige Debatte um die Leitkultur, den Begriff hatte der Innenminister de Maiziere aufgegriffen; aber in dieser Debatte wird es ja noch konfuser, wenn schon nicht klar ist, was eigentlich richtig »deutsch sein« bedeutet, dies dann auch noch mit die Kultur zu verknüpfen, die ja ebenfalls Raum für unendliche Interpretationen lässt, vollendet das gedankliche Chaos.

Mai 02, 2017

Schnipsel im April'17

Politische Korrektheit ist Sprachpolitik, und zwar in einer extrem totalitären Art und Weise.
(Norbert Bolz)

Es ist völlig egal was de Maizière oder die Union verkündet oder beschließt, wenn es opportun erscheint, schmeißt Merkel sowieso alles um.

In Arte liefen vier Filme über Napoleon - oh, wie ich diesen Typen verachte, der der Europa vereinheitlichen und vereinen wollte.

Ich nahm Nietzsche, Kant und Freud zur Kenntnis, mehr nicht. Eigentlich tue ich das mit den meisten Denkern. Manche, wie Hesse, verachtete ich, das tue ich bis heute. Wenn mir was gefiel, dann war es DADA. Hier wurde mir die Sinnhaftigkeit des Lebens klar, oder dessen Sinnlosigkeit. Je nach Tagesform.

April 18, 2017

Der Heuchler

Der Heuchler leidet an seiner überdimensionierten Nase. Ein riesiger Zinken ragt aus seinem Gesicht und hat die Anatomie seines Schädels so verändert, dass es die Augen ganz an die Seite gedrängt hat. Beim flüchtigen hinsehen glaubt man einen Vogelkopf zu erkennen, so einen mit einem großen Schnabel wie beim Tukan oder so manchen Papagei. Nur dass es eben eine Nase ist, die den Heuchler verunstaltet, und kein Schnabel.

Direkt in die Augen kann der Heuchler niemanden schauen, die Nase ist ihm im Weg; was genau vor ihm ist, kann er nicht sehen wenn er den Kopf gerade hält. So schaut er immer nur seine Gesprächspartner mit einem Auge an und hält dabei den Kopf zur Seite gekippt. Perspektivisches Sehen ist ihm so kaum möglich. Zwar dreht er hin und wieder seinen Kopf, um zu überprüfen, ob das andere Auge das Gleiche sieht, ein dreidimensionales Bild kann so aber nicht in seinem Kopf entstehen.

April 05, 2017

Schnipsel im März'17

An die meine Schulzeit erinnere mich nicht gerne, vom ersten bis zum letzten Tag habe ich diese Polytechnische Oberschule (Standard in der DDR) gehasst. So gut wie alle Erinnerungen die ich habe, rufen bis heute Unwohlsein hervor, es waren zehn Jahre Folter. Später wollte ich nicht mehr daran denken, was da geschah, was mit mir gemacht wurde, wie meine Abneigung gegen Kollektivismus sich zur Phobie auswuchs und auf alles was derart daherkommt ausbreitete. Selbst Fussballvereine wurden mir schon suspekt, ja sogar die Kirche, obwohl ich dort Halt in einer alternativen Weltsicht fand.

Sag mir wer deine Freunde sind, und ich ich sage dir wer Du bist! Das sagte mein Vater oft - und er hatte, wie so oft, Unrecht.

Die die da »Refugees Welcome« rufen, sehen nicht so aus, als ob sie die dann Kommenden auch ernähren und Obdach geben könnten.

Ich bezweifle, dass allein aus dem Logos (Verfassungs)Patriotismus entstehen kann.

März 30, 2017

Veränderungen in der Provinz

Seit nun knapp neun Jahren wohne ich in einem rund 6000-Seelen-Ort südlich von Stuttgart. Kürzlich wurde ich dort das erste mal von der Polizei angehalten. Es war schon dunkel, bewölkt wars auch, kurz vorher hatte es geregnet. Im Auto saßen außer mir noch eine meiner Töchter (13) sowie meine Frau. Wir fuhren langsam durch ein paar Seitenstraßen und schauten nach Hausnummern. Die Tochter wollte unbedingt einen Job, also trägt sie nun zwei Mal die Woche Zeitschriften und Kataloge aus. Da gibt es zwar nicht viel Kohle dafür, aber das ist ihr egal. Sie wollte es unbedingt, also habe ich zugestimmt, solange die Schule nicht darunter leidet soll es mir recht sein. Nur meiner Frau gefiel es gar nicht, ein junges Mädchen abends allein durch den Ort streifen zu lassen machte ihr Angst. Und so habe ich mich bereit erklärt, die ersten paar Male der Tochter zu helfen und sie mit dem Auto chauffiert. Wahrscheinlich hat das mich mehr Sprit gekostet, als es meiner Tochter Kohle einbrachte. Doch das zählt nicht.

März 27, 2017

Drei Zitate über Innovation und Evolution

Zufällig, durch einen Artikel im The European, bin ich auf den Historiker Prof. Dr. Rolf Peter Sieferle aufmerksam geworden, habe ein bisschen gegoogelt und eine Expertise von ihm für das WBGU-Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ gefunden. Immer mal wieder bin ich auf dieses Gutachten eingegangen insbesondere hier, mit diesem Zitat:

Die kolossale Herausforderung für die Modernisierung repräsentativer Demokratien besteht nun darin, zur Gewinnung von zusätzlicher Legitimation mehr formale Beteiligungschancen zu institutionalisieren, diese zugleich aber an einen inhaltlichen Wertekonsens nachhaltiger Politik zu binden, damit „mehr Partizipation“ im Ergebnis nicht zu „weniger Nachhaltigkeit“ führt. (WBGU-Gutachten S.218)

„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ soll mal Walter Ulbricht gesagt haben, erinnerte mich ein Leser,

März 01, 2017

Schnipsel im Feb'17

Die Deutschen hatten eine Brückenkultur zwischen Osten und Westen (Sloterdijk), dies ist bei der Gründung der Bundesrepublik ausgeblendet worden. Die Westintegration war also ein Stück weit Selbstverleugnung.


Immer wieder höre ich die Menschen wie sie das Wort Demokratie aussprechen, und doch nur ihre Moral meinen. Nur die eigene.


Es war im Sommer, eine Fliege hatte sich ins Auto verirrt. Der Jüngste wollte sie fangen, tot schlagen. „Papa! wir dürfen die Fliege nicht mitnehmen, ihre Familie ist nicht hier!“ Irre: Besser tot als Trennung von der Familie. Nur Kindermund?

Februar 23, 2017

Was ist Deutsch im Elfenbeinturm?

Manchmal sind die Fragen in einem Interview interessanter als die Antworten. In einem L.I.S.A Gespräch mit Peter Trawny über deutsche Identität(en) geschah dies. Georgios Chatzoudis fragte zu Beginn ob er dessen neues Buch richtig verstanden hätte.

Februar 16, 2017

Übers Auskotzen und das Anspucken

Das Essen schmeckt nicht, manchmal merkt man das bereits beim ersten Löffel und oft gar schon am Geruch. Soll ich es trotzdem essen, obwohl ich genau weiß, dass ich davon eine Magenverstimmung oder die Scheißerei bekomme? Wenn es mich würgt, esse ich nicht weiter.

Verachte ich deswegen diejenigen denen es schmeckt, die es geradezu als eine Offenbarung ihrer Geschmaksknospen sehen? Ich muss an die Durian, oder Stinkfrucht, denken. An der scheiden sich die Geister, die einen halten sie für eine Delikatesse, andere müssen sich übergeben. Kotzfrucht wird sie auch genannt und ist in Südostasien berühmt berüchtigt.

Februar 07, 2017

Nur kurz und unausgegoren über den Patriotismus

Nein, ich kann mit Patriotismus nichts anfangen. Das Pathos ist mir suspekt. Egal in welchem Zusammenhang. Ob es etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist, ein Patriot zu sein, weiß ich nicht, ich habe keine Sensoren dafür. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht so schnell zu begeistern bin, selbst bei Konzerten braucht es lange bis die Begeisterung von mir Besitz ergreift, immer wehre ich mich dagegen.

Ein kluger Gedanke, ein kluger Satz hingegen, löst etwas wie ein Hochgefühl aus, gleich so als hätte ich einen Schatz gefunden.

Januar 05, 2017

Profiling oder Kontrollquote

In den zwei Jahren (2014/15) in denen ich hauptsächlich mit einem kleinen Motorroller unterwegs war (50ccm/45kmh), wurde ich ca. zehn mal von der Polizei angehalten und kontrolliert. Das ist ungefähr doppelt so oft, wie in den zusammen über dreißig Jahren als Autofahrer. In den späten achziger Jahren wurde ich mindestens vier bis fünf Jahre überhaupt nicht kontrolliert. Das weiß ich deswegen so genau, weil in dieser Zeit, nach meiner Scheidung, ich praktisch nie nüchtern war. Der Lappen wäre mit Sicherheit weg gewesen.