November 22, 2015

Der Machtlose

Der rechte Arm des Machtlosen besteht eigentlich nur aus einem überdimensionalen Zeigefinger. Als er noch klein war, bekam er den Spitznahmen »Winkerkrabbe«, weil eben dieser Riesenfinger an seiner Hand an dieses Krustentier erinnert, welches mit seiner Riesenschere auch nur Aufmerksamkeit erregen will, aber ansonst ist mit dem Ding nichts anzufangen. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit der Krabbe, auch sein Haltung und seine Art sich fortzubewegen erinnert daran. Immer irgendwie geduckt, nie aufrecht gerade. Ob er sitzt, oder geht oder steht, immer ist seine Höhe die gleiche. Kriechend schleichend seitwärts bewegt er sich, so scheint es, und geräuschlos. Er weiß selbst wie hässlich er ist, noch nie hat ihn ein Mädchen geküsst.

Einen entscheidenden Unterschied zur Winkerkrabbe gibt es aber, der Machtlose nutzt seinen Finger nicht um auf sich selbst aufmerksam zu machen - nein - er zeigt auf andere. Schon als Kind lernte er seinen Finger, zu den einzigen Zweck zu dem er nütze ist, zu benutzen. Er zeigte seinem Hund, in welche Richtung dieser zur rennen hat. Mit Vorliebe jagte er den Hund auf Katzen, diese kümmerten sich nie um seinen Finger, die schienen sich nicht dafür zu interessieren, doch wenn er seinen Hund auf sie hetzte, dann spürten sie welche Folgen es hat, ignoriert man den Finger des Machtlosen.

Hat er heute jemanden entdeckt auf den er hinweisen, den er denunzieren kann, durchfließt ihn ein Gefühl von Macht. Auf einmal steht er aufrecht, ein greller Schrei dringt aus seinem Mund, der alle Aufmerksamkeit erst auf seinen Finger zieht, und dann weiter in die Richtung in welche er weist. Seine Machtlosigkeit, unter der er die ganze Zeit leidet, ist in diesem Moment der Denunziation verschwunden, alle Blicke folgen seinem Finger.

Die Technik wie das funktioniert, dies erlernte er bereits als Kind mit seinem Finger-Hund-Katze-Spiel, was für ihn nie ein Spiel war, sondern immer nur sein Bedürfnis nach Macht befriedigen sollte. Der Hund war die Verlängerung seines ohnehin schon gigantisch großem Fingers, sein Instrument zur Zerstörung all dessen, was nicht der Macht seines Fingers folgte.

Seinen Köter hat er heute nicht mehr, als der alt und blind wurde, hat er ihn im Keller eingesperrt und verhungern lassen. Aus dem Hund sind nun Menschen geworden, sie funktionieren genau so, und folgen seinem Denunziationsfinger.
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