April 18, 2017

Der Heuchler

Der Heuchler leidet an seiner überdimensionierten Nase. Ein riesiger Zinken ragt aus seinem Gesicht und hat die Anatomie seines Schädels so verändert, dass es die Augen ganz an die Seite gedrängt hat. Beim flüchtigen hinsehen glaubt man einen Vogelkopf zu erkennen, so einen mit einem großen Schnabel wie beim Tukan oder so manchen Papagei. Nur dass es eben eine Nase ist, die den Heuchler verunstaltet, und kein Schnabel.

Direkt in die Augen kann der Heuchler niemanden schauen, die Nase ist ihm im Weg; was genau vor ihm ist, kann er nicht sehen wenn er den Kopf gerade hält. So schaut er immer nur seine Gesprächspartner mit einem Auge an und hält dabei den Kopf zur Seite gekippt. Perspektivisches Sehen ist ihm so kaum möglich. Zwar dreht er hin und wieder seinen Kopf, um zu überprüfen, ob das andere Auge das Gleiche sieht, ein dreidimensionales Bild kann so aber nicht in seinem Kopf entstehen.

April 05, 2017

Schnipsel im März'17

An die meine Schulzeit erinnere mich nicht gerne, vom ersten bis zum letzten Tag habe ich diese Polytechnische Oberschule (Standard in der DDR) gehasst. So gut wie alle Erinnerungen die ich habe, rufen bis heute Unwohlsein hervor, es waren zehn Jahre Folter. Später wollte ich nicht mehr daran denken, was da geschah, was mit mir gemacht wurde, wie meine Abneigung gegen Kollektivismus sich zur Phobie auswuchs und auf alles was derart daherkommt ausbreitete. Selbst Fussballvereine wurden mir schon suspekt, ja sogar die Kirche, obwohl ich dort Halt in einer alternativen Weltsicht fand.

Sag mir wer deine Freunde sind, und ich ich sage dir wer Du bist! Das sagte mein Vater oft - und er hatte, wie so oft, Unrecht.

Die die da »Refugees Welcome« rufen, sehen nicht so aus, als ob sie die dann Kommenden auch ernähren und Obdach geben könnten.

Ich bezweifle, dass allein aus dem Logos (Verfassungs)Patriotismus entstehen kann.

März 30, 2017

Veränderungen in der Provinz

Seit nun knapp neun Jahren wohne ich in einem rund 6000-Seelen-Ort südlich von Stuttgart. Kürzlich wurde ich dort das erste mal von der Polizei angehalten. Es war schon dunkel, bewölkt wars auch, kurz vorher hatte es geregnet. Im Auto saßen außer mir noch eine meiner Töchter (13) sowie meine Frau. Wir fuhren langsam durch ein paar Seitenstraßen und schauten nach Hausnummern. Die Tochter wollte unbedingt einen Job, also trägt sie nun zwei Mal die Woche Zeitschriften und Kataloge aus. Da gibt es zwar nicht viel Kohle dafür, aber das ist ihr egal. Sie wollte es unbedingt, also habe ich zugestimmt, solange die Schule nicht darunter leidet soll es mir recht sein. Nur meiner Frau gefiel es gar nicht, ein junges Mädchen abends allein durch den Ort streifen zu lassen machte ihr Angst. Und so habe ich mich bereit erklärt, die ersten paar Male der Tochter zu helfen und sie mit dem Auto chauffiert. Wahrscheinlich hat das mich mehr Sprit gekostet, als es meiner Tochter Kohle einbrachte. Doch das zählt nicht.

März 27, 2017

Drei Zitate über Innovation und Evolution

Zufällig, durch einen Artikel im The European, bin ich auf den Historiker Prof. Dr. Rolf Peter Sieferle aufmerksam geworden, habe ein bisschen gegoogelt und eine Expertise von ihm für das WBGU-Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ gefunden. Immer mal wieder bin ich auf dieses Gutachten eingegangen insbesondere hier, mit diesem Zitat:

Die kolossale Herausforderung für die Modernisierung repräsentativer Demokratien besteht nun darin, zur Gewinnung von zusätzlicher Legitimation mehr formale Beteiligungschancen zu institutionalisieren, diese zugleich aber an einen inhaltlichen Wertekonsens nachhaltiger Politik zu binden, damit „mehr Partizipation“ im Ergebnis nicht zu „weniger Nachhaltigkeit“ führt. (WBGU-Gutachten S.218)

„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ soll mal Walter Ulbricht gesagt haben, erinnerte mich ein Leser,

März 01, 2017

Schnipsel im Feb'17

Die Deutschen hatten eine Brückenkultur zwischen Osten und Westen (Sloterdijk), dies ist bei der Gründung der Bundesrepublik ausgeblendet worden. Die Westintegration war also ein Stück weit Selbstverleugnung.


Immer wieder höre ich die Menschen wie sie das Wort Demokratie aussprechen, und doch nur ihre Moral meinen. Nur die eigene.


Es war im Sommer, eine Fliege hatte sich ins Auto verirrt. Der Jüngste wollte sie fangen, tot schlagen. „Papa! wir dürfen die Fliege nicht mitnehmen, ihre Familie ist nicht hier!“ Irre: Besser tot als Trennung von der Familie. Nur Kindermund?