Sonntag, 1. März 2015

Kinderschuhe und der Klimawandel

Isda! Nukos! mit diesen Rufen wurde ich geweckt, fast täglich morgens gerade als die Sonne begann aufzugehen. Allerdings kamen der Fischersfrau, die den nächtlichen Fang ihres Mannes an die Kundschaft bringen wollte, manchmal die Hähne zuvor. Diese begannen schon vor dem Sonnenaufgang zu krähen, für Langschläfer sind Fischerdörfer in den Philippinen nicht geeignet. Jeden Morgen beginnen die Frauen die Straße, oder manchmal nur den Weg, mit Strohbesen zu fegen, und eine rege Kommunikation ist ebenfalls schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Gange. Sauber sieht es aus in diesen Örtchen, kein Vergleich mit den größeren Städten, die abseits von Tourismus oder Big Business einem Dschungel gleichen, Je kleiner die Orte, desto sauberer, nicht generell, doch tendenziell.

Isda (Fisch) und Nukos (kleiner Tintenfisch) werden sofort zubereitet und finden sich zusammen mit Reis auf dem Frühstückstisch wieder. Nur ganz frisch hat der Fisch noch einen überaus angenehmen süßlichen Beigeschmack, wird er erst am Abend zubereitet, ist dieser Geschmack, trotz zwischenzeitlicher Kühlung, nicht mehr so vorhanden. Es ist ein bisschen so wie mit der bayerischen Weißwurst, die ja angeblich des Mittagsläuten auch nicht hören soll.

Sonntag, 22. Februar 2015

Dímos und das Kartenspiel

Immer wieder ist in letzter Zeit von einer Spieltheorie die Rede, wenn es um Griechenland geht. Welche Taktik hinter den Auftritten, die die neue Regierung an den Tag legt, steckt, und wie man dies zu deuten hätte. Ich kenne mich damit nicht aus, muss allerdings an meinen Freund Dímos denken. Der ist jetzt in Rente, hatte aber früher eine Kneipe im Stuttgarter Süden betrieben. Verpachtet wurde diese von einem Automatenaufsteller, entsprechende Spielautomaten waren drin, auch ein Dartautomat, an dem ich gelegentlich mit ein paar anderen Gästen spielte.

In Kneipen dieser Art, zu Essen gab es nichts, wer Hunger hatte, holte sich beim Metzger gegenüber eine Kleinigkeit, kommt man sich menschlich näher, auch die Gestrandeten und die Alkis finden sich ein, und treffen auf den Handels- oder Versicherungsvertreter. Ein Puppenspieler kam auch gelegentlich vorbei, einige Handwerker.

Dímos war stolz auf sein Erreichtes, schilderte manchmal seinen beruflichen Werdegang als Einwanderer aus Griechenland. Zuerst irgendwo als Fließbandarbeiter, dann nebenher weitere Tätigkeiten, bis er dann hauptberuflich Kneiper wurde. Die Zeit am Anfang in Deutschland wäre schon hart gewesen, viel viel Arbeit, immer zuwenig Schlaf.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Deutsche Rollenspiele

Irgendwann zu Beginn der 90er Jahre, so erinnere ich mich, hatte ich in einem Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Stuttgart-Heslach zu tun. Die Fenster, herrliche alte mit Rundbögen und vielen Sprossen, zeigten in den Hinterhof. Kinder spielten dort und als ich eine Pause machte, eine Zigarette am offenen Fenster rauchte, beobachtete und belauschte ich diese. Sie waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie mich nicht mitbekamen. Es war kein Spiel welches irgendwelche Regeln brauchte, wie beim Fußball oder 'Himmel und Hölle', sondern eher ein Kreativ- und Rollenspiel. Verwandlungen geschahen und die dargestellten Rollen reflektierten sozusagen die Phantasie der Kinder, oder auch ihre Vorstellungen einer für sie imaginären Welt oder Personen. Das Spiel hieß: »Wir sind Deutsche«. Offensichtlich waren die Kinder keine Deutsche, unterhielten sich aber auf deutsch, es war die Sprache, mit der sie sich untereinander verständigen konnten, auch weil sie wohl verschiedene Muttersprachen hatten und aus Familien stammten die wiederum aus verschieden Ländern kamen.

Nun kannte ich aus meiner Kindheit auch solche Rollenspiele, wir waren Cowboy oder Indianer, Gendarm und Räuber, und selbst als Erwachsene macht es uns noch eine große Freude in fremde Haut zu schlüpfen, meist zur Faschingszeit. Man kann, wie die Kinder, mal der Gute, mal der Böse sein, gerade diese Spannung macht den Reiz eines solchen Spieles aus. Die Deutschen waren die Bösen in dem Spiel, welches ich da beobachtete. »Weißt du wie die fressen?« war eine Frage, oder es wurde dargestellt wie es bei den Deutschen zuhause zugeht, meist tumb oder brutal.

Montag, 16. Februar 2015

Fundstück: Grüner Wahn

„Deutschland leidet unter gefährlicher Öko-Hysterie. Vor 50 Jahren fingen die Deutschen an, sich Sorgen um die Umwelt zu machen. Heute leben sie in einem Öko-Musterland. Die Mahner und Warner wenden sich deshalb Problemen zu, die meist gar keine sind.
von Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Erschienen am 14.02.2015 in der Welt.
„Daimler wirbt für schicke Elektroautos, der Energieriese E.on zerlegt sich selbst, und auf Elternabenden wird diskutiert, ob das Essen in der Kita nur bio, bio-vegetarisch oder bio-vegan sein soll. Touristen werden mit Rikschas durch Berlin und München kutschiert, abgasfrei und geräuschlos. Glühbirnen sind verboten, und die Klos haben Wasserspartasten. Brokdorf-Veteranen bleibt die Spucke weg, wenn eine CDU-Kanzlerin die Energiewende ausruft.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat grünes Gedankengut die Gesellschaft tief durchdrungen. Und es wurde mit Erfolg in viele andere Länder der westlichen Welt exportiert. Fahrradfahren, Energiesparen und Mülltrennen gehören zum fest eingeübten Alltagsverhalten, wie Zähneputzen. Man fühlt sich verantwortlich für das Weltklima, die Rettung der Wale und den tropischen Regenwald.“
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