Sonntag, 17. August 2014

Aus der Presse, kurz kommentiert (KW34/2014)


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Öffentliche Räume sind nicht mehr Orte der Demokratie, mit gleichen Rechten für jedermann!
17. August 2014 um 12:28

Ursula Weidenfeld kommentiert im Tagespiegel die geplante Freigabe von Busspuren für Elektromobile mit den Worten: „Dass alle Bürger gleiche Rechte haben, gilt dann offenbar nicht mehr.“ und weiter: „Die Nebenwirkungen einer solchen Subvention wären beträchtlich.Hier würde nicht nur dem E-Auto geholfen. Gleichzeitig würde der Zugang zum öffentlichen Raum neu geregelt. Wer sich eines der Elektromobile leisten kann, bekäme einen Teil der öffentlichen Infrastruktur kostenfrei und exklusiv zugewiesen. Was man beim Wohnen bitter beklagt, würde beim Parken regierungsamtlich verordnet – die Gentrifizierung.“

Getrifizierung ist natürlich ein wichtiger Punkt, aber Wohnung und öffentlicher Raum sind noch mal zwei verschiedene Dinge. Hier geht es um die Beschneidung von Rechten, öffentlicher Raum wird bestimmten Personengruppen überlassen, und dies hat nicht mehr nur mit Fragen der Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Demokratieverständnis. Öffentliche Räume sind Orte der Demokratie, mit gleichen Rechten für jedermann. Das war einmal. Gleiches geschieht mit der Verschandelung der Umwelt mit Windmühlen, auch hier wurde noch von der letzten Regierung ein Konzept vorgeschlagen, in dem eine ausgewählte Personengruppe besondere Rechte im öffentlichen Raum zugesprochen werden sollte.


Dienstag, 12. August 2014

König Ubu, Pataphysik und die Klimawissenschaft

Kürzlich empfahl der Perlentaucher eine neu erschienene Biographie über Alfred Jarry⁽¹⁾. Schon diese Meldung zauberte unmittelbar ein Lächeln in mein Gesicht, so manche Anekdote über diesen Schriftsteller fiel mir ein,⁽²⁾ alle das Bild Jarrys als Bürgerschreck unterstreichend. König Ubu,⁽³⁾ wohl sein bekanntestes und zu seinen Lebzeiten nur ein mal aufgeführtes Werk, war einige Jahre mein treuer Begleiter in Form eines Reclambuches. Wurde ich hin und wieder gefragt, welches Buch dies denn sei, welches ich ständig mit mir herumtrage, dann nutze ich die Gelegenheit und las einige Sätze daraus vor. Danach war für die Zuhörer klar: Der Quentin hat einen an der Waffel, wer so ein Zeug ließt kann nicht normal sein. Diese Reaktion war natürlich genau einkalkuliert, denn damit verschaffte ich mir eine gewisse Narrenfreiheit als Kompensation für die existierende Unfreiheit auf dem, in meinen Augen, nicht minder verrückten Narrenschiff DDR. Ich hatte Spaß an der Konfrontation, so wie das eben Teenager aller Zeiten haben. Doch dabei blieb es nicht, sondern auch die Erkenntnis , dass auf dem ersten Blick völlig verrückt erscheinende Geschichten einen speziellen Wahrheitsbezug haben und wirklichkeitserklärend werden. Die existierende sozialistische Gesellschaft erschien mir völlig verrückt und war dennoch real. Mit logischen Herleitungen, dass wurde mir schon recht früh klar, wird man die Welt nicht erklären können. Was ist real, was ist imaginär, was ist richtig, was ist falsch - überall sind die Grenzen fließend.

Nun gibt es aber ein Wissenschaftskonzept welches sich ’Pataphysik⁽⁴⁾ nennt und ebenfalls auf Alfred Jarry zurück geht, in welchem die Unterschiede zwischen real und imaginär, zwischen richtig und falsch, verschwinden.

Freitag, 1. August 2014

Verbalberserker: Ralph Sina

Das Wort »Rage« wurde, lt. wiktionary.org, aus dem Französischen übernommen und hat dort unter anderem die Bedeutungen Berserkerwut, Tollwut oder Raserei. Im Deutschen wird es gerne in der Redewendung »in Rage reden« gebraucht, oder jemanden »in Rage versetzen«. Wer sich in Rage redet, begeht sozusagen einen verbalen Amoklauf, alles was irgend im Weg steht wir ohne Prüfung vernichtet, herab gewürdigt mit Argumenten, die ihrerseits nicht geprüft oder bewertet wurden, sondern gerade eben zur Hand waren. Der in Rage geratene schlägt zu, so scheint es, mit dem was er auf die Schnelle zu greifen bekommt. Berserkerwut kann sich also auch verbal zeigen.

Verbalberserker wirken auf Zuhörer zweierlei, mitreißend auf diejenigen die die Wut teilen, und abstoßend auf die anderen, manchmal auch einschüchternd, weil man glaubt gegen die gewaltigen Wortwaffen keine adäquate Antwort zu haben, oder weil man einen Kampf scheut der nur, auch in verbaler Form, Niederlage oder Sieg kennt. Und genau diese beiden Reaktionen sind auch gewünscht und werden vom Verbalberserker genau einkalkuliert. Die Mitstreiter anfeuern und die Gegner einschüchtern. Wie auf dem Sportplatz, oder mit einer Militärparade, oder rituellen Drohgebärden im Tierreich. Der Gegner soll den Schwanz einkneifen und sich trollen,

Donnerstag, 31. Juli 2014

Aus der Presse, kurz kommentiert (KW31/2014)


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Die letzten Tage der Menschheit?
1. August 2014 um 06:35

Gerhard Stadelmaier meint in der FAZ über die Aufführung von Karl Kaus' »Die letzten Tage der Menschenheit« bei den Salzburger Festspielen „Der Erste Weltkrieg dauert in Salzburg vier Stunden. Danach ist man herzlich froh, dass nicht nur der Krieg vorbei ist.“ Ohne selbst diese Aufführung gesehen zu haben, kann ich mir doch sehr gut vorstellen, dass jede Inszenierung welches sich an dieses Werk wagt, gemessen am Original, scheitern muss. Doch nicht deswegen erwähne ich es hier, sondern weil ich in der derzeitigen Debatte um den Ersten Weltkrieg, Beschreibungen wie die von Karl Kraus vermisse. Mir jedenfalls gaben »Die letzten Tage der Menschheit«, gefunden hatte ich es in eine Bibliothek Mitte der siebziger Jahre in der DDR, in der ich aufwuchs und dementsprechend als Teenager hauptsächlich mit ideologisch verklärter Geschichtsvermittlung konfrontiert wurde, eine andere Sicht auf die Gesellschaft der Zeit und die entstehende Dynamik der Veränderung der Gesellschaft. Was macht der Krieg mit den Menschen? So fragte ich mich damals. Und das frage ich mich noch heute, angesichts der Kriege reihum. Wir sollten nicht nur Clark lesen, sondern auch Kraus.


Dienstag, 22. Juli 2014

Die memetische Wolke

Beitrag von Atomhörnchen im Blog der Nuklearia

. . . Die Achtundsechziger-Revolte (keine Revolution!) in Deutschland wurde im Laufe der Siebziger- und Achtzigerjahre gezähmt, oder vielmehr zähmte sich selbst, indem sie in eine sehr brave, harmlose, konservative Partei mündete: Die Grünen bekannten sich zu denjenigen Ideen der Achtundsechziger, die hinreichend reihenhauskompatibel waren, um von der breiten Mehrheit der Bevölkerung in irgendeiner Form anerkannt zu werden. Anfangs kokettierte man noch ein wenig mit langen Haaren und Strickpullis, einige Jahre später war das ganze zu einer stromlinienförmigen Mainstreampartei geworden, die sich der Stimme sowohl des achtzehnjährigen Erstwählers wie auch der seines Lateinlehrers sicher sein konnte – eine Zielgruppenuniversalität, die sich daraus ergibt, dass die Partei nicht links, nicht rechts, sondern hinten ist.

In den Vereinigten Staaten, Großbritannien und anderen Ländern gab es ebenfalls Studentenrevolten in den Sechzigerjahren, und auch diese verliefen aus verschiedenen Gründen im Sande – u.a. mangelnder Rückhalt in der Bevölkerung, keine einigende Philosophie, kein klares Ziel – und wurden schließlich in unbemerkenswerte harmlose politische Parteien kanalisiert. Was jedoch nur in Deutschland geschah:

Samstag, 19. Juli 2014

Zivilisation und Barbarei

Was hat sich nur geändert? Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommen in jedem Krieg vor, in Bürger- und Religionskriegen insbesonders. Dass die Verbrecher aber mit ihren Taten öffentlich angeben, Videos ins Netz stellen auf den Exekutionen und schlimmeres zu sehen sind, dies ist in dieser Qualtität und Quantität neu. Die Nazis haben versucht ihre Gräueltaten nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Oder wenn es Massaker in anderen Kriegen gegeben hat, Afghanistan oder Vietnam, im Irak oder sonstwo, immer war man bedacht, dass dies nicht bekannt wird. Doch nicht nur das, die Verantwortlichen und die Täter wurden abgeurteilt. Der Krieg sollte sauber sein, zumindest so erscheinen. Doch nun stehen diese Gräul im Mittelpunkt, es geht nicht mehr darum einen Gegner zu besiegen, sondern lediglich eigene Machtgelüste zu befriedigen in dem man bereits besiegte Menschen abschlachtet.

Europa sucht händeringend nach einer gemeinsamen Identität, mit der den Europäern ihre politische und kulturelle Einheit vermittelt werden soll: Hier wäre nun eine, und zwar die der Abgrenzung gegen diesen islamischen Faschismus, der alle Werte die Europa in Hinblick auf die Menschlichkeit entwickelt hat, und die sich als Werte auf der ganzen Welt verbreitet haben, missachtet.